SLOWENIEN • OKTOBER 2018 • TEIL 2

Im zweiten Teil unseres Slowenien-Abenteuers folgen wir dem Ruf der Berge. Ein verstecktes Bergtal an der Westflanke der Julischen Alpen liegt ruhig und verlassen im Schatten. Die Sonne steht noch nicht hoch genug um es mit Licht und Wärme zu fluten. Trotzallem sind drei Freunde schon dabei durch das Tal in die slowenische Bergwelt aufzusteigen.

Johann Wolgang von Goethe sagte einst: "Berge sind stille Meister und machen schweigsame Schüler." Dieses Zitat trifft den Nagel auf den Kopf. Der Aufstieg durch den herbstlich gefärbten Bergwald war ein wahrer Genuss. Demütig und sprachlos ging es Schritt für Schritt dem Ziel entgegen.

Das Ziel liegt hoch zwischen den Gipfeln der Julischen Alpen im Reich der Gämse und Steinböcke. Ein Stück rauhes Paradies, welches einem Winnetou-Film zu entspringen scheint. Eingebettet im zerfurchten Karst finden sich smaragdgrüne Bergseen eingerahmt von golden leuchtenden Lärchen. Eine unbeschreibliche Schönheit sollte sich uns dort offenbaren.

Abbildung 1: Die erste Hälfte des Aufstiegs führt durch dieses wunderschöne langgestreckte Tal. Der Bergwald präsentierte sich in den schönsten Farben und so schenkten wir der Anstregung des Aufstiegs wenig Beachtung. Wir waren einfach nur gefesselt und sprachlos.

Die Hälfte haben wir schon...

Auf ca. halben Weg verließen wir den Wald und erreichten eine kleine Hütte. Es war Zeit für die erste kleine Trinkpause, von denen noch einige folgen sollten. Wir waren die einzigen Menschen hier draußen, die Ruhe im Talkessel war atemberaubend. Trotz des anstrengenden Aufstiegs überkam mich sofort ein Gefühl von Erholung. Immer wieder aufs Neue fasziniert mich die Wirkung der Natur.

Die nächste Etappe gab uns Gelegenheit noch einmal auf den schon zurückgelegten Weg zurück zu blicken und ein paar Fotos zu schießen. Von Weitem konnten wir sehen, dass wir genau zur rechten Zeit unterwegs waren. Gelbe Lärchen leuchteten uns von den höher gelegenen Hängen entgegen. Die Erleichterung zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein gab uns neue Energie. Dann war es endlich so weit, wir erreichten die Höhenstufe der Lärchen und wiederum standen wir sprachlos da und dachten alle das Gleiche: "Los, wieder raus mit der Kamera".

Abbildung 2: Die Hütte auf der kleinen Almwiese markiert ca. die Hälfte des Aufstiegs. Einsam und friedvoll liegt sie malerisch in dem Talkessel.

Abbildung 3: In größeren Höhen wird der Mischwald durch Lärchen und Latschen abgelöst. Besucht man diese Regionen im Herbst wird eine einfache Bergwanderung zu einer buchstäblichen “Fackelwanderung”. Die Lärchen färben sich gelb und leuchten wie große Fackeln am Wegrand.

Abbildung 4: Nicht nur die Vegetation erfreut des Wanderers Auge, auch die Geologie dieser Bergwelt regt zum Staunen an. Sofort vielen mir die Winnetou-Filme meiner Kindheit ein, das zerklüftete Gestein der südlichen Kalkalpen weckte diesbezüglich einige Erinnerungen. Es hätte mich nicht gewundert, wenn Pierre Brice und Lex Barker auf einmal vor mir gestanden wären 🙂

Abbildung 5: Schlussendlich erreichen wir unser Basislager für die nächsten zwei Nächte. Ein extrem toller Winterraum mit 24 Betten sollte für die folgenden Tage unser Zuhause sein. Bequem kann man von dort sowohl den Sonnenaufgang wie auch den Sonnenuntergang fotografieren. Die Lage hätte besser nicht sein können.

Abbildung 6: Bei der Locationsuche für den bevorstehenden Sonnenuntergang gelang es mir meinen Kollegen Arno bei der Arbeit zu fotografieren. Wie klein der Mensch in diesen Bergen doch ist…

Eine unerwartete Explosion...

Während des Aufstiegs konnten wir drei noch nicht erahnen, dass sich unsere Mühen schon am ersten Abend auszahlen würden. Die Sonne senkte sich immer mehr dem Horizont entgegen, dabei hatte es den Anschein als müssten wir mit einem "dreckigen" Sonnenuntergang rechnen. Milchig trübe Wolken lagen vor der Sonne und die Farben am Himmel waren völlig blass und verwaschen. Wie durch ein Wunder änderte Mutter Natur ihre Meinung dann doch noch einmal und belohnte unsere Ausdauer mit einer Farbexplosion, wie man sie selten zu Gesicht bekommt.

Ein wahrlich monumentales Schauspiel fand vor unseren Augen statt. Die Farben kamen zurück und der Himmel begann förmlich zu brennen. Überwältigt vor Glück genossen wir dieses Spektakel. Slowenien hat mal wieder geliefert, und das schon an unserem ersten Abend. Es war einfach unvorstellbar.

Abbildung 7: An diesem Tag war es nicht nur ein Aufstieg zum Gipfel sondern auch zum Himmel.

Abbildung 8: Wie ein Leuchtfeuer am Horizont entflammt die untergehende Sonne den Himmel über den Julischen Kalkalpen und wir hatten die besten Plätze im Saal.

Abbildung 9: Am nächsten Morgen ging es zurück auf Wanderschaft. Das Tal der sieben Seen wartete auf uns. Während noch die letzten Nebelschwaden um die Gipfel tanzten machten wir uns auf zu einem ganz besonderen Bergsee. Auf dem Weg dorthin lag noch dieser kleinere Cousin, den wir nicht unbeachtet lassen wollten. Im Geröllfeld an dem kleinen See stach mir plötzlich eine Bewegung ins Auge, die zu einer höchst erfreulichen Begegnung führen sollte.

Abbildung 10: Wir haben unser Wunschziel erreicht, den Bergsee eingerahmt von gelben Lärchen, gefüllt mit smaragdgrünem Wasser. Was für ein Anblick!?!

Abbildung 11: Pittoresk liegt der grüne See im Hochtal. Ich finde keine Worte für dieses immense Farbenspiel.

Abbildung 12: Die Lärchen spiegeln sich im grünen Bergsee.

Tierische Begegnungen...

Nachdem im Herbst nicht ganz so viele Leute in den Bergen unterwegs sind, war ich guter Hoffnung, dem ein oder anderen Tier zu begegnen. In weiser Voraussicht beschloss ich mein 100-400mm Objektiv nicht der Gewichtsersparnis zu opfern. Schon Tage vor der Bergtour ließ mich ein Gedanke nicht los, ich wollte ein Bild von einer Gams mit gelber Lärche.

Auf dem letzten Drittel des Aufstiegs schweifte mein Blick während einer der unzähligen Trinkpausen die Felswände entlang, dabei viel mir in großer Höhe ein Spion auf.
Ein Gamsbock beobachtete drei merkwürdigen Geschöpfe, die sich mühevoll und langsam bergaufwärts bewegten. Für ein Tier, welches sich mit spielerischer Leichtigkeit durch seinen Lebensraum bewegt, war unsere Plagerei sicher völlig unverständlich.

Abbildung 13: Eine Fotoidee wird Wirklichkeit. Schon beim Aufstieg bekam ich ein Gamsbild mit gelber Lärche.

Abbildung 14: Die in Abbildung 9 angesprochene Bewegung war dieser hübsche Zeitgenosse. Das junge Steinbockmännchen spazierte ganz allein durch das Hochtal. Auch unsere Gegenwart brachte ihn in keinster Weise aus der Ruhe.

Und es kam noch besser...

Mit der Gewissheit im Gepäck, dass sich mein Fotowunsch schon beim Aufstieg erfüllt hatte und der unerwarteten Begegnung mit dem Stienbock war ich völlig tiefenentspannt. Es konnte einfach nicht besser werden, dachte ich, aber da hatte ich mich mal so richtig getäuscht.

Zu dem Zeitpunkt war mir Eines noch nicht bewusst, das eigentliche Gamsbild mit gelber Lärche stand mir noch bevor genauso wie eine weitere intensive Begegnung mit dem Steinbock. Dieser stand auf dem Rückweg vom See zum Winterraum plötzlich wieder vor mir und gab uns netter Weise noch einige schöne Fotogelegenheiten.

Trotz der traumhaft schönen Landschaft, in der wir uns bewegen, sind es diese Momente mit den Tieren, die mir die größte Freude bereiten. Ganz besonders dann, wenn man überhaupt nicht damit rechnet und die Natur mich in einen Glückszustand versetzt, der sich nicht in Worte fassen lässt.

Abbildung 15: Dieser Gamsbock entschied sich von einem Hang auf den Gegenhang zu wechseln und blieb genau vor einer gelben Lärche stehen. Das war der Moment für mein Wunschbild.

Abbildung 16: Bevor wir uns neuerlich dem Sonnenuntergang widmeten gelang mir noch diese Silhouettenaufnahme des Steinbocks. Schon lange habe ich versucht so ein Bild für meine Sammlung zu bekommen. An diesem Tag hat einfach alles gepasst. In tiefer Dankbarkeit konnte ich nun unseren zweiten und letzten Sonnenuntergang genießen.

Zurück auf die Logenplätze...

Auf unserem Weg zurück zum Winterraum blieb neben dem Steinbock-Shooting auch noch genug Zeit um ein paar Landschaftsimpressionen einzufangen. Das von Rinnen durchzogene Kalkgestein bildete einen schönen Vordergrund für das Licht- und Wolkenspiel. Trotz aller Entbehrungen, die man während eines mehrtägigen Aufenthalts in den Bergen zu dieser Jahreszeit auf sich nehmen muss, kann man nicht zufriedener sein, als in solchen Momenten.

Die Abendsonne taucht die Landschaft in goldenes Licht, der Verkehr und die Hektik des Alltags sind ausser Reichweite und man ist im Einklang mit sich selbst. Eine bessere Entspannung gibt es nicht. Wer das Gefühl hat sich nicht entspannen zu können, der sollte hier rauf kommen und das wahre Leben inhalieren. Diese Therapie gibt es frei Haus von Mutter Natur.

Abbildung 17: Sonnenstrahlen krönen die Gipfel über den Karstflächen. Noch nie war ich von einer Landschaftsform so beeindruckt. Über Jahrhunderte hat sich das Wasser in das Kalkgestein gegraben und formt somit eine ganz bizarre Landschaft.

Abbildung 18: Während Arno und ich hinter dem Steinbock her waren kümmerte sich unser Freund Andreas um die Landschaft. Auch er konnte dem schönen Lichtspiel nicht widerstehen.

Abbildung 19: Die Gipfel der Julischen Alpen ragen am Abend aus den Wolken.

Abbildung 20: Unser letzter Sonnenuntergang war auch nicht von schlechten Eltern. Die tief stehende Sonne vergoldete die slowenische Bergwelt.

Abbildung 21: Was für ein Lichtspiel. Zum Ende unserer Bergtour wurden noch einmal alle Register gezogen.

Abbildung 22: Der Morgen vor unserem Abstieg präsentierte sich wolkenlos, auch der Nebel ließ sich nicht blicken. Dennoch war das Frabenspiel auf den Gipfeln ein Abschiedsfoto wert. Nun wartete eine warme Mahlzeit und ein kühles Radler, der richtige Abschluss für diese perfekte Tour.

Mit vielen tollen Bildern und Erinnerungen machten wir uns am nächsten Tag auf die Heimreise. Etwas Muskelkater war auch mit im Gepäck. 🙂 Mein besonderer Dank gilt meinen Freunden Arno und Andreas für diese aussergwöhnlich schönen Tage und unserem Kollegen Bozo, der uns mit seiner Gastfreundschaft und Hilfbereitschaft ungemein unterstützt hat.

Ich hoffe Sie hatten beim Lesen der beiden Teile genauso viel Freude an Slowenien wie wir. Sollte sie auch das Slowenienfieber gepackt haben, würde ich mich sehr freuen Sie auf meiner im ersten Teil verlinkten Fototour im Triglav-Nationalpark begrüßen zu dürfen. Des Weiteren dürfen Sie sich schon auf ein neues Abenteuer freuen. Die nächste Berichtreihe führt uns nach Bulgarien und Griechenland. Dort besuchen wir die farbenprächtigen Krauskopfpelikane am Kerkini See und die majestätischen Steinadler im Balkangebirge.