NORWEGEN • AUGUST 2019

Der Spätsommer liegt über der Tundra, die Pflanzen beginnen langsam sich zu verfärben und der kühle Wind aus den Bergen kündigt den nahenden Herbst an. Auf den ersten Blick wirkt das Land wie leer gefegt, doch auf den zweiten Blick lassen sich kleine braune Punkte in der Ferne entdecken. Der Herzschlag erhöht sich und eine leichte, auf die Entfernung kaum wahrnehmbare Bewegung, gibt Gewissheit. "Sie sind es!"

Eine kleine Herde Moschusochsen zieht gemächlich über ein Plateau auf dem Weg zu ihrem Winterquartier auf den benachbarten Bergen. Die zotteligen Kolosse genießen die Spätsommersonne und die diesjährigen Kälber tollen ausgelassen umher. Solchen Szenen beiwohnen zu dürfen, ist ein wahres Privileg. Tauchen sie erneut mit mir ein, in die Welt dieser atemberaubenden Tiere.

Abbildung 1: Endlich wieder zurück bei meinen zotteligen Freunden. Was für ein toller Anblick.

Der Elch mit dem Vogel...

Gut zwei Wochen früher, als im Jahr zuvor, zog es mich wieder in das schöne Dovrefjell in Norwegen. Immer noch geflasht von den Eindrücken des letzten Besuchs, wollte ich diesesmal auch den Elchen mehr Beachtung schenken. Zu dem frühen Zeitpunkt befinden sich viele Elche im Gebiet, dennoch ist die große Individuenzahl keine Garantie für ansprechende Fotos.

Jeden Morgen war eine "Elch-Fahrt" als erster Tagesordnungspunkt angesetzt. Die Elche zeigten sich zwar recht zahlreich, aber auf Fotodistanz kamen sie nicht wirklich. Unermüdlich wanderten meine Augen durch die Landschaft, auf der Suche nach dem gewünschten Motiv. Plötzlich und völlig unerwartet, erregte etwas ganz anderes meine Aufmerksamkeit.

Abbildung 2: Auf der Elch-Safari kreuzte diese junge Steppenweihe unseren Weg. Eine weitere Begegnung, mit der wir nicht gerechnet hatten. Es war aber nicht diese Entdeckung, die meine Aufmerksamkeit erregte…

Abbildung 3: Eines der wenigen brauchbaren Dokumentationsfotos eines Elchs. Mit einem starken Zuschnitt des Bildes konnte ich in diesem Fall das Tier relativ gut in Szene setzen.

Eine unerwartete Begegnung...

Unverhofft kommt oft, und so wollte mir zuerst keiner glauben, als ich im Auto meine Entdeckung kund tat. "Da steht eine Herde Rentiere." Hartnäckig, auf meine guten Augen vertrauend, bestand ich auf das Wenden des Fahrzeugs. Die Kontrolle mit dem Fernglas brachte Gewissheit, es war eine wilde Rentierherde. Wir konnten unser Glück garnicht fassen, und beschlossen spontan, den Tieren im gebührenden Abstand zu folgen. Es ist immer wieder faszinierend, mit welchen Überraschungen Mutter Natur aufwartet, und so ergriffen wir die Chance und verbrachten den Tag bei der Herde.

Nach ein paar Stunden hatten uns die Tiere soweit akzeptiert, dass sie beim Fressen, von sich aus, sehr nahe an uns heran kamen. Was wir nicht wußten, ein Ranger hatte uns die ganze Zeit im Visier. Als wir zum Parkplatz zurück kamen, stand er mit seinem Geländewagen schon da, und wartete auf uns. Innerlich hatte ich mich schon auf eine Standpauke vorbereitet, doch der Ranger war voll des Lobes für unser vorbildliches Verhalten den Tieren gegenüber. Es ist sehr schön , dass so etwas auch gesehen und honoriert wird.

Abbildung 4: Mein erster wilder Rentierbulle in Norwegen, was für ein erhebendes Gefühl!

Abbildung 5: Die Herde äßt friedlich in der Tundra.

Abbildung 6: Jedes Jahr erneuert sich das Geweih der Tiere. Löst sich der Bast vom Horn, sieht man wie gut durchblutet das Gewebe war. Schmerzen haben die Tiere dabei nicht, eher einen lästigen Juckreiz. Den Bast werden sie durch das sogenannte “Fegen” an Büschen los.

Abbildung 7: Die alten Bullen tragen ein eindrucksvolles Geweih.

Abbildung 8: Ein junges Tier hat sich etwas von der Herde entfernt.

Vergebene Liebesmühe...

Der Aussichtspunkt am Dovrefjell war nun unsere nächste Anlaufstelle. Von dort aus erspähte ich in einiger Entfernung, eine kleine Gruppe Ochsen, die genüsslich durch die Tundra spazierte. Nun hieß es wieder, Rucksack anschnallen und marschieren. Zwei wundervolle Tage konnten wir mit den Tieren verbringen. Eindrucksvoll wurde uns das Paarungsverhalten dargeboten. Der Bulle trieb seine Weibchen und prüfte unermüdlich ihre Paarungsbereitschaft. Seine Versuche ans Ziel zu kommen, blieben jedoch noch unerwiedert. Die Damen wollten noch nicht so recht.

Vertieft in das Liebesspiel, nahmen die Tiere nicht wirklich viel Notiz von uns, und so konnten wir, mit dem gebührenden Abstand, entspannt fotografieren. Am ersten Tag durften wir die Tiere sogar im goldenen Abendlicht erleben. Es war einfach unglaublich schön. Die Tundra wurde zu einer gelbgold funkelnden Schatzkammer und wir saße mitten drin, beinahe so als hätten wir das sagenhafte El Dorado gefunden.

Abbildung 9: Der frontale Annährungsversuch des Bullen stößt ebenfalls nicht auf Gegenliebe. Die Szene erinnert fast an einen Kuß. Beide senken ihren Kopf, aber das Weibchen gibt ihm zu verstehen, dass er sich noch etwas in Geduld üben muß.

Abbildung 10: So romantisch und liebvolle dieser Moment auch wirken mag, kam es dennoch nie zu einer Paarung während unserer Anwesenheit.

Abbildung 11: Selbst das heimliche Liebespiel, versteckt hinter den Bäumen, brachte nicht den gewünschten Erfolg.

Abbildung 12: Die Kälber aus dem Vorjahr lassen sich durch den ganzen Liebestrubel nicht aus der Ruhe bringen. Diese beiden kuschelten zusammen auf einer Annhöhe in der Spätsommersonne.

Abbildung 13: Ein junger Bulle hat sich zum entspannten Fressen etwas von der Herde abgesondert.

Abbildung 14: Wenn man den lieben langen Tag von einem liebestollen Bullen gejagt wird, überkommt einen auch mal die Müdigkeit.

Abbildung 15: Mehr als einen verächtlichen Blick hat der junge Bulle nicht für uns übrig.

Abbildung 16: Bei der Rückkehr zur Herde ist Vorsicht geboten, man weiß ja nie wie der vor Testosteron strozende “Alte” reagiert.

Der einsame Kobold...

Nun war es wieder mal an der Zeit, sich von unserem Guide Floris zu verbschieden, denn es ging wieder zum Polarfuchs. Leider war aufgrund eines schlechten Lemmingjahres die Reproduktion augeblieben und wir fanden nur ein Tier vor. Ein Jahr zuvor trafen wir auf drei Tiere. Kurz nach unserer Ankunft konnten wir den kleinen Kerl in seinem Revier ausmachen. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass wir richtiges Glück hatten. Zeitweise war der Fuchs tagelang nicht gesichtet worden.

Dem pelzigen Kobold war die Langeweile richtig anzumerken. Sichtlich erfreut über etwas Gesellschaft, lief der Fuchs um uns herum und legte sich sogar zum Schlafen hin. Drei Schafe, die sich im Anschluss in sein Revier verirrten, waren ebenfalls willkommene Spielkameraden. Der Polrfuchs hüpfte freudig um die Schafe herum, die nicht so recht wussten, was sie mit diesem aufdringlichen Kerlchen anfangen sollten. Für uns war es wieder ein besonderes Schauspiel, an dem wir teilhaben durften.

Abbildung 17: Kein Spielkammerad in Sicht. Gott sei Dank sind ein paar Fotografen da., dann ist es nicht ganz so langweilig.

Abbildung 18: Ist da doch ein Artgenosse? Nein, habe mich getäucht.

Abbildung 19: Vielleicht doch? Nein, immer noch nicht.

Abbildung 20: Mal in den Büschen schauen, evtl. ist hier einer.

Abbildung 21: Nein, hier ist auch keiner. Wo sind die denn alle?

Abbildung 22: Der nahende Winter kündigt sich auch durch den beginnenden Fellwechsel des Plarfuchses an.

Abbildung 23: Perfekt fügt sich der Fuchs in sein herbstliches Revier.

Abbildung 24: Der kleine Fuchs gibt die Hoffnung auf ein Gefährten/in nicht auf. Ich drücke ihm die Daumen.

Der zweite Besuch im schönen Dovrefjell war wieder ein einzigartiges Erlebnis. Es gestaltete sich völlig anders, als mein letzter Besuch. Viele neue Eindrücke konnten gesammelt werden und tolle neue Locations haben wir ebenfalls entdeckt. Mit anderen Worten heißt das, ein Rückkehr ist defnitiv eingeplant. Der nächste Herbst kommt bestimmt. Freuen Sie sich im nächsten Bericht auf einen Friedhofsbesuch der ganz besonderen Art...