FINNLAND • AUGUST 2019

Finnland, das Land der tausend Seen und endlosen Wälder, Heimat der Bären, Vielfraße, Rentiere und Wölfe, wo die Wildnis am Straßenrand beginnt und gefühlt niemals endet. Zum ersten Mal durfte ich dieses beeindruckende Land fotogrfisch besuchen. Die Ruhe und die ausgesprochen gute Luft in den Wäldern war absolut einzigartig. Selten habe ich mich an einem Ort so vital und ausgeglichen gefühlt.

Es ist faszinierend, wie wenig nötig ist, um glücklich zu sein. Der Wind rauscht durch die Baumwipfel, die Lungen füllen sich mit reiner Luft und der Stress des Alltages rückt in unerreichbare Ferne. Die Rastlosigkeit und das ewige Streben nach mehr, mehr, mehr der menschlichen Gesellschaft, ist für mich in diesen Momenten einfach nicht mehr existent. Immer wichtiger werden mir diese Auszeiten in der fast unberührten Wildnis.

Abbildung 1: Ein europäischer Braunbär schlendert durch den finnischen Sumpf.

Meister Petz sagt hallo...

Die Bären Finnlands sind oft fotografiert, doch dies hielt mich nicht davon ab, diese wundervollen Tiere mit meinen eigenen Augen zu sehen. Der ein oder andere mag die Fotografie aus Verstecken mit Anfütterung auch nicht für Wildlife-Fotografie halten. Leider fehlt mir die Zeit und die finanziellen Möglichkeiten, tage- oder wochenlang, irgendwo in der Wildnis, auf ein Tier anzusitzen und das auch noch fern ab der Heimat.

Das ist der Grund warum ich auf diese Gelegenheiten zurückgreife. Es ist ein berauschendes Gefühl diese edlen Tiere das erste Mal aus dem Wald auftauchen zu sehen. Zuerst erhaschte ich nur einen flüchtigen Blick am entfernten Waldrand. Wenige Minuten später, stand der Bär in seiner ganzen Pracht vor mir auf der sumpfigen Wiese. Nicht das blutrünstige Raubtier aus schlechten Horrorfilmen, sondern eine einzigarte und wunderschöne Kreatur, geschaffen von Mutter Natur.

Abbildung 2: Die Bären kommen dem Versteck sehr nahe, mitunter kann man sie sogar atmen hören. Dies bietet wundervolle Möglichkeiten für Porträtaufnahmen.

Abbildung 3: Festhalten, gleich gibt es was zu fressen!!!

Abbildung 4: Von Zeit zu Zeit muss die Rangordnung wieder zurecht gerückt werden.

Abbildung 5: Dieser Bäre mit seiner hellen Fellzeichnung wurde “Panda” getauft. In diesem Moment erinnerte er mich an einen Fußballtorwart.

Abbildung 6: Jedes Tier hat seine ganz eigene Fellfarbe, somit lassen sich die Bären gut unterscheiden.

Abbildung 7: Wenn das Futter im Baum hängt, muss Panda sich auch mal strecken.

Essen in Gesellschaft...

An der gedeckten Tafel schlagen sich nicht nur die Bären die Bäuche voll. Viele verschiedene Tierarten fressen hier Seite an Seite ohne Neid und Missgunst. So einer Szenerie beiwohnen zu dürfen ist ein echtes Privileg. Verschiedene Spezies in Eintracht so nebeneinander zu sehen erfüllte mich mit einem inneren Frieden, wie ich ihn in der Menschenwelt nie finden würde. Wir Menschen sollten uns viel öfter ein Beispiel an den Tieren nehmen.

Möwen, Kolkraben, Schwarzmilane, Seeadler und Bären teilen sich das ausgelegte Futter. Die meiste Zeit lege ich meine Kamera zur Seite und genieße das bunte Treiben im Sumpf mit den eigenen Augen, anstatt durch den Sucher zu schauen. Immer mehr Tiere beteiligen sich an dem Festgelage, dabei ist es interessant die verschiedenen Bären anhand ihrer Fellzeichnung und Fellfarbe zu unterscheiden. Kein Bär gleicht dem anderen. Einige sind schon so bekannt, dass sie Namen haben, und so durften wir mit Yogi, Panda, Italo & Co. Bekanntschaft machen.

Abbildung 8: Ein Bär und ein Kolkrabe Seite an Seite. In meiner naiven Vorstellung sind die beiden Freunde. Dieser Gedanke erfüllt mich mit Freude und läßt mich lächeln. Einfach ein schöner Moment.

Abbildung 9: Trotz des großen Fressgelages bleibt noch Zeit, um an den Blumen zu riechen.

Abbildung 10: Ein weiteres Exemplar betritt die sumpfige Bühne. Diesen Bären hab ich für mich “Rusty” getauft. Es erschien mir passend, nachdem sein Kopf so rostig gefärbt ist.

Abbildung 11: Auch wenn die Tiere das Füttern mittlerweile gewohnt sind, verlieren sie nie ihre Vorsicht. Sie haben ihre Umgebung immer genau im Blick.

Abbildung 12: Beim Verlassen des Bärenreviers durfte ich noch einem sehr seltenen und scheuen Waldbewohner Finnlands begegnen, dem wilden Waldrentier. Dieser bedrohten Tierart so nahe zu kommen war ein echter Glücksfall.

Abbildung 13: Der Seeadler nahm ebenfalls am großen Fressen Teil. Immer wieder stieß er an den Fraßplatz und stibitze sich einen Fisch.

Großer Charakter mit großem Appetit...

Ein ganz besonderes Highlight war für mich die Begegnung mit dem charismatischen Vielfraß. Dabei war es nicht sicher, ob ich die größte Marderart überhaupt zu Gesicht bekomme. Nachdem ich nur einen Versuch hatte, musste ich auf das Glück hoffen und alles auf eine Karte setzen. Der Bärenmarder, wie der Vielfraß auch genannt wird, hatte ein Einsehen mit mir und besuchte das Versteck an diesem Abend drei mal.

Das furchtlose Auftreten, die großen Pranken mit den weißen Krallen und die Wildheit im Blick flößen einem sofort Respekt ein. Für mich ist der Vielfraß der Inbegriff der Wildnis des Nordens. Der Bärenmarder ist eines dieser Tiere, zu denen ich mich besonders hingezogen fühle, vielleicht aufgrund der charakterlichen Parallelen :-). Ich hoffe bald möglichst wieder nach Finnland zurück zu kehren und "meine Freunde" wiederzusehen.

Abbildung 14 Charakter pur – Der Bärenmarder streift als furchtloser Einzelgänger durch den finnischen Wald.

Abbildung 15: Der Vielfraß kam im perfekten Licht auf die Lichtung.

Abbildung 16: Mit seiner feinen Nase findet der Vielfraß mühelos das versteckte Futter.

Abbildung 17: Mit seiner Statur und seinen riesigen Pfoten stellt der Vielfraß einen ernst zu nehmenden Kontrahenten dar.

Abbildung 18: Ein Tier mit echtem Charakter. Der Bärenmarder braucht sich vor niemanden zu verstecken.

Der Abstecher nach Finnland kam relativ spontan zu Stande und war in erster Linie nicht zu meinem persönlichen Vergnügen gedacht. Der Plan war, für eine angedachte Tour, einen "Trockenlauf" zu machen. Im Idealfall wollen wir im nächsten Jahr schon mit Tourgästen zurück kommen.

Sollten Sie also Interesse haben, die Bären, Vielfraße und mit etwas Glück Wölfe mit mir besuchen zu wollen, können Sie mich gerne kontaktieren, dann besprechen wir alle weiteren Details. In Kürze wird auch eine Tourbeschreibung in meinem Fototourenprogramm zur Finnlandreise kommen. Bis dahin seien Sie gespannt auf das nächste Abenteuer im Dovrefjell in Norwegen. Dort habe ich zum zweiten Mal die imposanten Moschusochsen besucht.