BULGARIEN • JANUAR 2019 • TEIL 1

Wenn die Temperaturen fallen, zieht es mich meist in den hohen Norden, doch in diesem Winter war es der Osten, dem meine ganze Aufmerksamkeit galt. Seit mehreren Jahren bewundere ich die Schönheit der Krauskopfpelikane am Kerkini See in Griechenland und so entschloss ich mich, diese wundervollen Vögel in der Brutzeit im Januar zu besuchen. Zu dieser Zeit zeigen sich die Tiere in den prächtigsten Farben vor einer winterlichen Kulisse, die Ihresgleichen sucht.

Einer glücklichen Fügung hatte ich es zu verdanken, dass ich noch auf den letzten Platz einer Natures Images-Tour zu den Pelikanen nachrücken konnte. Geführt wurde die Reise von meiner geschätzten Kollegin Ellie Rothnie, deren außergewöhnliche Pelikanbilder mich zu diesem Trip veranlasst hatten. Bei dieser Gelegenheit konnte ich somit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, denn nicht nur die Pelikane sollte ich zum ersten Mal sehen, auch Ellie durfte ich hierbei zum allerersten Mal persönlich kennen lernen.

Abbildung 1: Der gefrorene Kerkini See bildet einen hervorragen den Hintergund für die weißen Pelikane. Man hat fast das Gefühl, dass sich das eisige Blau unendlich weit erstreckt und sich die Tiere in der Ewigkeit verlieren.

Die Grenze überschreiten...

Nachdem die Pelikane in Griechenland leben und wir unser Quartier in Bulgarien bezogen hatten, mussten wir täglich die Grenze nach Griechenland überschreiten, dabei gelang es uns sogar dem ernsten Zollbeamten ein Lächeln abzuringen. Am See angekommen, wurden wir von einem überaus freundlichen Fischer begrüßt, der uns mit seinem Ruderboot zu den Pelikanen bringen sollte.

Bevor es allerdings zu den Pelikanen auf den See hinaus gehen sollte, war noch eine sehr schwere Entscheidung zu treffen. Die Hündin des Fischers führte fünf ganz junge Welpen, einer süßer und knuddeliger als der andere! "Soll ich überhaupt raus fahren, oder soll ich lieber bei den kleinen Hunden bleiben?" Schlussendlich wurden es dann doch die Pelikane, die Welpen sind den ganzen Tag vor Ort und so konnten wir in den Fotopausen mit ihnen spielen.

Abbildung 2: Die Krauskopfpelikane machen ihrem Namen alle Ehre. Im blauen Wasser des Kerkini Sees kommt ihr weißes Gefieder und der rotorange Schnabel besonders gut zur Geltung. Genau deswegen bin ich hier her gekommen!

Abbildung 3: Einer der fünf Welpen hat hier versucht, unser Boot auf seine Weise los zu machen. Die süßen Welpen waren wirklich an Niedlichkeit nicht zu überrbieten. Jeden einzelnen der kleinen Racker hätte man den ganzen Tag knuddeln können.

Abbildung 4: Zwei Pelikane ruhen auf dem Eis des Kerkini Sees. Auch hier heisst es im Winter: Kostbare Energie sparen!!!

Abbildung 5: Ab und an muss natürlich das Gefieder gepflegt werden.

Abbildung 6: In diesem Moment fiel die Sonne sehr schön auf den Vogel und ich konnte nicht umhin das Detail der Schwanzfedern zu fotografieren.

Abbildung 7: Zwischen die Pelikane mischt sich von Zeit zu Zeit auch mal ein Graureiher. Dieses schöne Exemplar konnte ich im Flug ablichten.

Blick in die Seele...

Der Krauskopfpelikan ist eine geschützte Art und lebt das ganze Jahr am Kerkini See. Nur in extremen Kälteperioden kann es vorkommen, dass er den See verlässt. Die Tiere fliegen aber nur zu anderen Seen die weiter südlich liegen. Im Januar befinden sich die Tiere, wie eingangs erwähnt, in der Brutzeit und bilden eine sehr starke Farbgebung aus. Besonders der rotorange Schnabel leuchtet einem von Weitem entgegen. Mit dem Blau des See entsteht somit eine regelrechte Farbsymphonie.

Boote mit Menschen bedeuten Futter, das haben die schlauen Vögel gelernt. Fährt der Fischer mit einem vollbesetzten Boot hinaus auf den See hat er auch immer reichlich Fisch an Bord. Bevor noch der erste Kameraauslöser betätigt ist, sind die Pelikane schon in Position, vibrieren mit ihren Schwingen und unzählige Augenpaare durchbohren die Fotografen mit hypnotisierenden Blicken (siehe Abbildung 8) in Erwartung auf den Wurf des ersten Fisches.

Abbildung 8: Ein Blick der direkt in die Seele geht. Es kam mir vor, als wolle der Pelikan uns mit Gedankenübertragung dazu bewegen, endlich mit dem Werfen der Fische zu beginnen. Selten ist mir im Tierreich so ein intensiver Blick begegnet.

Abbildung 9: Da stimmt doch was nicht?!? Richtig, hier hat sich ein Rosapelikan unter die Krausköpfe gemischt, was seine Artgenossen offensichtlich nicht zu stören scheint.

Abbildung 10: Auf dem Eis fühlen sich die Tiere nicht sonderlich wohl, sie überlegen es sich zweimal, ob sie sich auf dem rutschigen Untergrund bewegen. Erwischt man den rechten Moment werden die Vögel zu regelrechten Eistänzern.

Abbildung 11: Mit ausgebreiteten Schwingen ist die Fortbewegung übers Eis einfacher, sicherer und wesentlich eleganter.

Abbildung 12: Auf geht’s zum Gruppenfoto.

Spiegelungen...

Besucht man als Fotograf eine Location oder eine spezielle Tierart das erste Mal, so hat man gewisse Vorstellungen, welche Bilder man gerne machen möchte. In die Umsetzung vertieft, merke ich meist nie wie unglaublich schnell die Zeit verrinnt. In unserem Fall waren für die Pelikane zwei Tage angesetzt. Gott sei Dank war Petrus auf unserer Seite und bescherte uns ideale Bedingungen. Der See war sehr stark zugefroren, die Temperaturen mild und der Wind eigentlich nicht vorhanden.

Wasser, Eis und Windstille sind beste Voraussetzungen für..., Sie haben es erraten, Spiegelungen. Die Tiere unter diesen Umständen fotografieren zu können, überstieg meine kühnsten Erwartungen. Es ergaben sich unzählige kreative Möglichkeiten, als das Abendlicht dann auch noch seinen goldenen Zauber entfaltete. Diese Momente sind alles andere als selbstverständlich, nicht sehr oft bekommt man in so kurzer Zeit das volle Programm geboten.

Abbildung 13 Im goldenen Abendlicht kommen die Farben der Pelikane besonders schön zur Geltung.

Abbildung 14: Eine Gruppe Pelikane spiegelt sich im Kerkini See.

Abbildung 15: Wie ein intimes Gespräch kam mir diese Szene vor. Um die Intimität nicht zu stören entschied ich mich dafür, nur die Spiegelung zu fotografieren.

Abbildung 16: Ein etwas anderes Pelikanporträt im Adbendlicht.

Abbildung 17: Auch im Gegenlicht machen die Tiere eine gute Figur. Dieses Exemplar war damit beschäftigt sein Gefieder zu pflegen.

Ein voller Erfolg...

Für die Zeit bei den Pelikanen bin ich über die Maßen dankbar. Erfolgreicher hätte es wirklich nicht sein können. Sicher stellt sich der ein oder andere den Griechenlandurlaub etwas anders vor, aber für mich war er absolut perfekt. Die Tiere waren zahlreich vor Ort, die Bedingungen waren traumhaft und die Erlebnisse haben sich tief in meiner Seele verankert.

Selten bin ich zu einer Reise aufgebrochen, wie auf diese. Natürlich war mir klar, dass ich Pelikane und Adler fotografieren werde, aber wie sich vor Ort alles gestalten würde war mir absolut nicht bewusst. Bulgarien und Griechenland waren mir bis dato völlig unbekannt. Die Herzlichkeit, die Gastfreundchaft und die Kochkunst der Menschen waren genauso überwältigend, wie die Schönheit der Natur und der Geschmack des Rotweins.

Abbildung 18: Volle Breitseite – Dieser Pelikan drehte sich perfekt in das goldene Ablicht. Ein Bisschen Unterbelichten gibt der Szene noch zusätzliche Wirkung.

Abbildung 19: Vom Ufer aus auf dem Eis gefüttert zu werden bedurfte anfangs einiger Überredungskunst, schlussendlich war der Hunger dann aber doch zu groß.

Abbildung 20: Gierig stürzen sich die Vögel auf den Fisch. Mit dem Weitwinkelobjektiv gelingen hier eindrucksvolle Aufnahmen.

Abbildung 21: Vom Boot aus werden die Karten völlig neu gemischt. Auch hier kommt das Weitwinkelobjektiv zum Einsatz. Vorsicht ist aber stets geboten, da die Tiere extrem nahe ans Boot kommen und die Möglichkeit besteht, dass sie mit ihren starken Schwingen dem Fotografen die Kamera aus der Hand schlagen können.

Abbildung 22: Wirft man die Fische während der Fahrt hoch aus dem Boot hat man gute Chancen die Vögel in akrobatischen Flugmanövern abzulichten.

Abbildung 23: Die etwas fauleren Vertreter ihrer Art machen es sich einfacher, sie setzen sich auf die Bordwand und fahren einfach mit.

Abbildung 24: Wie, der Fisch ist schon aus? Verächtlich blicken die Pelikane dem Boot hinterher, als es richtung Ufer aufbricht.

Abbildung 25: Ein letzter Blick zurück auf den Kerkini See im Sonnenuntergang. Die Gipfel des Balkangebirges leuchten in der Abendsonne.

Wenn ein Abenteuer endet, beginnt ein neues. Und so war es Zeit, sich von den Pelikanen zu verabschieden. Auf uns warteten die Berge des Balkans, dort sollten wir auf die majestätischen Steinadler treffen. Die Adler waren aber nicht die einzigen Vögel die wir dort vorfanden. Freuen Sie sich auf viele weitere spannende Begegnungen im zweiten Teil meiner Reise durch Südosteuropa...